Türkei will trotz antiwestlichem Kurs in die EU…

06.11.2009

…und damit an die reich gefüllten Futtertröge in Brüssel, nicht wahr? Denn um viel mehr scheint es Ankara nicht zu gehen. Zwar drängten unlängst Präsident Abdullah Gül und Außenminister Ahmet Davutoglu auf eine rasche Aufnahme der Türkei in die EU, zu der es „keine Alternative“ gäbe; Sie sei von strategischer Bedeutung für den Westen, da die Türkei das Bindeglied zur islamischen Welt darstelle. Doch ungeachtet dessen ist der Kurs der türkischen Regierung zunehmend antiwestlich. 

Sehr zum Ärger westlicher Regierungen hat die Türkei, die NATO-Mitgliedsstaat ist, unlängst gemeinsame Militärmanöver mit Syrien angesetzt. Dies stellt für Damaskus eine massive Aufwertung dar und außerdem eine Annäherung, die die NATO sicherlich nicht wollte. Die Türkei zieht damit die Ernsthaftigkeit ihres eigenen Angebots in Zweifel, denn vor dem Hintergrund ihrer Politik ist anzunehmen, dass Ankara und Brüssel in Bezug auf die islamische Welt keinen gemeinsamen Nenner finden würden. 

Zu allem Überfluss hat die türkische Regierung auch noch den sudanesischen Staatschef Omar el Baschir nach Istanbul eingeladen. El Baschir wird mit Internationalem Haftbefehl für die Verbrechen seiner Milizen in der sudanesischen Hungerregion Darfur gesucht. In Ankara hieß es vorsorglich, el Baschir folge einer offiziellen Einladung und es erscheine daher „nicht angebracht“, ihn festzunehmen. Auch hier handelt die Türkei konträr zur Politik der Union.

Warum also sollten wir uns so einen Klotz ans Bein hängen wollen? Die EU krankt an allen Ecken und Enden, das Letzte, das wir jetzt brauchen, ist eine infrastrukturell instabile und landwirtschaftlich geprägte Volks- wirtschaft von dieser Größe. Das Letzte, das wir jetzt in der EU brauchen, ist ein Akteur, der „auf Teufel komm raus“ für moslemische Minderheiten in Westeuropa Lobbyarbeit betreibt. Das Letzte, das wir jetzt brauchen, ist ein EU-Mitglied, das die ohnehin kümmerliche Handlungs- fähigkeit der Union im islamischen Raum massiv beschränkt.

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4 Kommentare »

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  1. Viele Türken verweigern sich schon in Deutschland der Integration. Die Türkei selbst

    • ist gesellschaftlich rückständig
    • ist in Sachen Justiz und Polizei immer noch zahlreicher Menschenrechtsverletzungen schuldig
    • ist wirtschaftlich instabil
    • ist zu landwirtschaftlich geprägt (-> Agrarsubventionen?!?!?!)
    • ist kulturell uneuropäisch geformt
    • ist kein verlässlicher Partner in außenpolitischen Fragen
    • unterdrückt nach wie vor die Kurden
    • hat sich trotz vorsichtiger Anfänge immer noch keiner ernsthaften Debatte über den Genozid an den Armeniern gestellt

    usw usw

    Warum sollten wir DAS stemmen wollen?

    Comment von Manu — 06.11.2009, 23:50:06 @ 23:50

  2. Die EU kriegt jetzt schon keine Einigungen mehr zustande. Wie soll das erst gehen, wenn auch die Türkei im Boot sitzt? Die Türkei ist das hundertachtzig Grad verdrehte Gegenteil von dem, was die EU-Mitgliedsstaaten normalerweise ausmacht.

    Comment von Breda — 07.11.2009, 09:32:05 @ 9:32

  3. Der Türkei könnte man die Mitgliedschaft doch eigentlich gewähren. Wie viele Millionen Türken leben denn jetzt schon in Westeuropa?

    Comment von Lea — 07.11.2009, 11:04:13 @ 11:04

  4. Jede Menge offene Münder wären da zu stopfen. Münder, die sonst nicht gerade wohlklingende Töne produzieren! ;)

    Comment von Art — 08.11.2009, 23:33:12 @ 23:33

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