Somalia: Es schariat wieder
15.12.2009
Eine solch barbarische Szene gehört eigentlich ins Mittelalter, doch die Bilder zeigen die Realität der so genannten Moderne: Islamische Militante zwangen die Bewohner eines Dorfes Namens Afgoye nahe der somalischen Hauptstadt Mogadischu dabei zuzusehen, wie sie den 48-jahre alten Mo- hammed Abukar Ibrahim bis zur Brust in der Erde eingruben und zu Tode steinigten. Die verantwortliche Gruppierung, „Hizbul Islam“, erschoss außerdem einen weiteren Mann, den sie für einen Mörder hielten, und ließ die für den Vorwurf des Ehebruchs notwendige Frau auspeitschen.
Steinigung in Afgoye (Opfer ist aufgrund des blutigen Anblicks verpixelt): Wo die Scharia regiert, kann jeder in den Genuss öffentlicher Hinrichtun- gen kommen
Die Islamisten zwangen etwa hundert Dörfler auf ein Feld, wo ein „Richter“ verkündete, die beiden Delinquenten hätten sich des Ehebruchs und des Mordes schuldig erklärt. Die angeblich beteiligte Frau habe sich der „Unzucht“ für schuldig erklärt und wurde zu einhundert Peitschenhieben verurteilt. „Das ist ein Tag der Gerechtigkeit“, erklärte der „Richter“, Osman Siidow Hasan“, der Menge. „Wir haben ermittelt und sie haben gestanden“. Als aber einige Hizbul Islam-Kämpfer die Hinrichtung ausset- zen wollten, kam es zu einem Schusswechsel zwischen den verschiedenen Fraktionen, bei denen drei Menschen getötet wurden.
Die Hardliner (Hardliner unter Hardlinern?), die sich schließlich durch- gesetzt hatten, vollstreckten die Hinrichtungen augenblicklich. Ein Zeuge sagte, er habe die furchtbare Szene nicht mit ansehen können. Die Frau sei nur am Leben geblieben, weil sie sagte sie sei niemals verheiratet gewe- sen. Die blutigen Hinrichtungen, vollstreckt nach dem beinharten islamischen Rechtskodex, der Scharia, sind die ersten, mit denen Hizbul Islam in Verbindung gebracht werden kann.
Für die weitaus mächtigere Miliz Al Shabaab ist es ein alltäglicher Standard. Diese radikalislamische Gruppierung, die sowohl die internatio- nalen Friedenstruppen als auch die einzig anerkannte Regierung be- kämpft, hat sogar Banalitäten wie Fußball spielen oder Tanzen unter Androhung drakonischer Strafen wie Amputation verboten. Sollten andere Milizen auf dieselbe Linie einschwenken, könnte dies noch größeres Chaos für den gescheiterten und von Anarchie gebeutelten Staat am Horn von Afrika bedeuten.
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