Yale-Buch über die Mohammed-Karikaturen ohne Mohammed-Karikaturen
08.09.2009
Die Elite-Uni Yale hat einem Bericht von Associated Press zufolge die Darstellung der berühmt-berüchtigten Mohammed-Karikaturen in einem Buch über eben jene Karikaturen ersatzlos gestrichen. Man habe ernstzunehmende Bedenken gehabt, dass die Veröffentlichung zu erneuten Wellen der Gewalt hätte führen können. Das Werk mit dem Titel „Die Karikaturen, die die Welt schockierten“ von Professorin Jytte Klausen soll nächste Woche erscheinen. Ironischerweise behandelt es die gewaltsame Reaktion der moslemischen Welt auf die von einer dänischen Zeitung publizierten Karikaturen aus dem Jahr 2005.
Prominente Absolventen und mehrere Professoren reagierten mit einer Protestnote. „Ich halte es für furchtbar, dass der Campus von Nathan Hale ausgerechnet zu dem Platz geworden ist, an dem Amerika vor der Angst davor kapituliert, dass Extremisten möglicherweise irgendetwas tun könnten“, sagte einer der Unterzeichner. Hale gilt als amerikanischer Musterpatriot, der im Unabhängigkeitskrieg für seine Überzeugungen an den Galgen ging.
Auch der ehemalige amerikanische UN-Botschafter John Bolton verurteilte den Schritt. „Ich halte das für intellektuelle Feigheit“, sagte Bolton, „und für ein Armutszeugnis für Yale“. Dem schloss sich der Präsident der Vereinigung amerikanischer Hochschullehrer Cary Nelson an, der Yale vorwarf, die Entscheidung drücke nichts anderes aus als dass man zwar „nicht mit Terroristen verhandelt“, sehr wohl aber bereit sei zu tun, „was sie noch gar nicht verlangt haben.“
Auch die Autorin Jytte Klausen ist „sehr verärgert“ über die Zensur, zumal sie nach eigener Auskunft mit Vertretern moslemischer Gemeinden über die Veröffentlichung gesprochen hat. Das Pressebüro von Yale verteidigte sich indes mit der Verlautbarung, man habe auf Anraten von Experten die Entscheidung getroffen von einer Veröffentlichung der Bilder abzusehen. Neuveröffentlichungen der Karikaturen hätten zu über 200 Toten und vielen hundert Verletzten in allen Teilen der Welt geführt. Und Zeitungen in den USA und Großbritannien hätten sich schließlich auch geweigert, die Karikaturen abzudrucken.
Mit einer unerklärlichen Verzögerung von mehreren Monaten hatten die dänischen Karikaturen, die nach Ansicht von zahlreichen moslemischen Klerikern den Propheten Mohammed verunglimpften, im Jahr 2006 zu Ausschreitungen von Marokko bis Indonesien geführt. Skandinavische Vertretungen brannten, dänische Waren wurden boykottiert. Die Zeichner wurden mehrfach mit dem Tode bedroht, sogar Ziel von Anschlägen und leben auch heute noch unter Polizeischutz. Infolge der Ausschreitungen unternahmen die Regierungen vieler moslemischer Staaten wiederholte Versuche, die Redefreiheit bezüglich der Kritik an Religionen massiv einzuschränken.
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